• Nina Colette

Anspruchsvolle Gespräche: ängstliche Patienten


Das Thema Angst bei Patienten ist allgegenwärtig und altbekannt. Die meisten Patienten finden einen Krankenhausaufenthalt bedrohlich und haben Angst vor verschiedenen Szenarien, die sich im Moment der Vorstellung in der Notaufnahme in den Köpfen der Patienten abspielen. Die Ängste, die die Patienten haben, sind:


  • die Angst vor dem Sterben

  • die Angst vor Schmerzen

  • die Angst vor der Narkose

  • die Angst vor der Operation

  • die Angst vor dem Unbekannten

  • die Angst vor dem Danach

  • die Angst vor Trennung


In Prozentzahlen ausgedrückt, gehen 65% der Patienten von Behandlungsfehlern während ihrer Therapie aus, 61% befürchten eine erfolglose Therapie, 55% haben Angst sich an einem gefährlichen Keim anzustecken und 53% aller Patienten haben Angst Schmerzen zu erfahren.


Auch wenn Angst auf den ersten Blick etwas Unangenehmes und Negatives darstellt, kann sie medizinisch sehr wirksam sein. So wirkt sich eine mittelgradige präoperative Angst positiv auf die postoperativen Anpassungen des Patienten aus. Zu viel präoperative Angst führt nachgewiesen jedoch zu postoperativen Schwierigkeiten.


Das Ziel ärztlicher Kommunikation lautet somit, die Angst des Patienten auf ein normales, risikoangemessenes Maß zu reduzieren.


Was Sie tun sollten, um die Angst zu reduzieren:


Bleiben Sie ruhig

Patienten, die Angst haben, sind unruhig und nervös. Lassen Sie sich davon nicht anstecken. Bleiben Sie ruhig in der Situation und geben Sie diese Ruhe an Ihren Patienten weiter. Am besten funktioniert dies, wenn Sie Ihrem Patienten das Gefühl geben, Zeit für ihn zu haben und sich voll und ganz auf ihn zu konzentrieren. Ihre Patienten brauchen in einem angstvollen Moment das Gefühl, dass Sie ihnen zuhören und für sie da sind.


Sprechen Sie verständlich

Generell gilt, besonders in der medizinischen Fachsprachprüfung, dass Sie im Patientengespräch ausschließlich in Umgangssprache und somit in einer für den Patienten verständlichen Sprache sprechen. Besonders wichtig ist dies in einer angstbehafteten Situation. Sprechen Sie langsam, vermeiden Sie Fachbegriffe und Abkürzungen und erklären Sie alles so verständlich wie möglich. Denn: Unverständnis verstärkt die Angst. Wenn Sie ihrem Patienten jedoch verständlich machen, dass Sie alles tun werden, um sein Leiden/seine Schmerzen zu mindern, wächst das Vertrauen des Patienten in Sie und seine Kooperationsbereitschaft steigt.


Zeigen Sie Verständnis

Betonen Sie im Gespräch gerne, dass Sie Verständnis für die Angst des Patienten haben und alles tun werden, um ihm schnell zu helfen. Sie dürfen auch gerne sagen, dass die Angst nichts Ungewöhnliches ist und auch andere Patienten in solch einer Situation verängstigt sind. Somit stellen Sie die Angst als etwas Normales bzw. Alltägliches dar, was dem Patienten Druck nimmt.

Generell gilt: Verständnis, Mitgefühl und eine wohlwollende Grundhaltung vermitteln Ihren Patienten das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.


Vermeiden Sie Argumentation und Diskussion

Sätze wie: “Sie brauchen keine Angst haben”, “Machen Sie sich keine Sorgen” oder “Das ist doch überhaupt nicht schlimm” steigern in der Regel das Angstgefühl im Patienten. Damit zeigen Sie nämlich, dass Sie kein empathisches Verständnis für ihn haben und sich nicht in seine Lage versetzen. Angst lässt sich intellektuell nicht beherrschen und ist subjektiver Natur. Kommentieren Sie die Angst also nicht, sondern nehmen Sie sie an und vermitteln Sie das Gefühl, dass die Gefühle des Patienten wahrgenommen und respektiert werden.

Geben Sie Auswahlmöglichkeiten

Einfache Fragen wie: “Möchten Sie sitzen bleiben oder sich lieber hinlegen?”, geben dem Patienten das Gefühl, selbst Entscheidungen treffen und die Situation mit kontrollieren zu können. Autonomie ist ein ganz wichtiger Aspekt im Hinblick auf Angst beim Patienten. Bekommt der Patient während des Gesprächs das Gefühl, dass er die Kontrolle verloren hat, unterstützt das seine Angst und er könnte sogar noch panisch werden.

Klären Sie Ihren Patienten außerdem genau über jeden einzelnen Schritt auf, den Sie unternehmen und fragen Sie ihn währenddessen immer wieder nach seinem Einverständnis.


Zusammenfassung


  • Kommunizieren Sie mit ruhiger, freundlicher Stimme mit Patienten wie auch Personal

  • Begegnen Sie Ihren Patienten verständnisvoll und wohlwollend

  • Argumentieren Sie nicht über die Inhalte der Angst

  • Betonen Sie, dass Sie alles tun, um die Beschwerden zu lindern

  • Schaffen Sie Wahlmöglichkeiten für den Patienten

  • Erklären Sie jeden nächsten Schritt

  • Fragen Sie möglichst oft nach Einverständnis

  • Machen Sie keine übereilten Versprechen

  • Und nutzen Sie freie Intervalle, um mit dem Patienten über Nichtmedizinisches zu plaudern


Achten Sie, in der Prüfung in der Sie 20 Minuten für das Anamnesegespräch haben, wie auch in der Praxis, in der Sie in der Regel 5-8 Minuten für das Gespräch haben, immer darauf, das Gespräch zielorientiert durchzuführen. Das können Sie auch bei verängstigten Patienten immer wieder tun, in dem Sie betonen, dass es wichtig ist, dass alle Fragen beantwortet werden, um schnellstmöglich mit den Untersuchungen anfangen zu können.



Sollten Sie noch Fragen zu dem Thema haben, freuen wir uns, Ihnen bei bei der Beantwortung behilflich zu sein.


Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Vorbereitung auf Ihre Prüfung oder bei der Umsetzung Ihrer Patientengespräche in der Klinik.




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