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  • Nina Colette

Arbeitszeiten während der Assistenzarztzeit

Aktualisiert: Okt 5



Die Arbeitszeiten während der Assistenzarztzeit unterscheiden sich je nachdem, in was für einer Gesundheitseinrichtung und in welchem Fachgebiet Sie arbeiten. Während Assistenzärzte in einer Rehaklinik ein relativ entspanntes Leben und geregelte Arbeitszeiten genießen, sieht die Arbeit in einer Akutklinik ganz anders aus. Trotz der deutlich höheren Arbeitsbelastung, entscheidet sich allerdings die Mehrheit der jungen Ärzte in Deutschland dafür, Ihre Weiterbildung an einer Universitäts- oder einer Akutklinik zu absolvieren.

Was genau auf Sie zukommt, erläutern wir im folgenden Artikel.


In diesem Blogbeitrag erfahren Sie:


Wie viele Stunden dürfen Sie als Arzt pro Tag / pro Woche höchstens arbeiten?

  • Welche gesetzlichen Regelungen gelten in Deutschland?

  • Welche Ausnahmen gelten im ärztlichen Bereich?

Wie gestaltet sich die Arbeitszeit in deutschen Kliniken?

  • Dienstsystem

  • Schichtsystem


Gesetzliche Grundlagen

Laut der gesetzlichen Regelungen in Deutschland darf die wöchentliche Arbeitszeit bei einer Vollzeitbeschäftigung i.d.R. maximal 48 Stunden (8 Stunden pro Tag) betreffen. Das schließt auch Überstunden, Bereitschafts- und Rufdienste und Pausen ein. Es handelt sich dabei um eine Durchschnittliche Arbeitszeit auf das ganze Jahr gesehen. Sie dürfen also in der einen Woche mehr als 48 Stunden arbeiten, dies muss aber in den kommenden Wochen durch entsprechende Freizeit ausgeglichen werden.


Ausnahmen

Die Realität sieht allerdings anders aus. Das hohe Arbeitsaufkommen und der steigende Personalmangel in Deutschland führen dazu, dass Ärzte in Wirklichkeit deutlich mehr arbeiten müssen. So liegt die wöchentliche Arbeitszeit oft bei mindestens 52 Stunden - und das in einer guten Woche. Aus diesem Grund gibt es im ärztlichen Bereich Ausnahmen von der 48-Stunden-Regelung, die es ermöglichen, dass Ärzte mehr arbeiten ohne dass gegen rechtliche Vorschriften verstoßen wird.


So wurde vor einigen Jahren In Deutschland die sogenannte Opt-Regelung eingeführt. Diese ermöglicht, dass Ärzte länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten dürfen, sobald sie sich damit einverstanden erklären. Dies ist allerdings nur im Zusammenhang mit Bereitschaftsdiensten möglich. In der Regel wird Ihnen also beim Anfang Ihrer Tätigkeit zusammen mit dem Arbeitsvertrag eine Opt-Out-Erklärung zum unterschreiben vorgelegt. Mit Ihrer Unterschrift erklären Sie sich bereit, mehr als 48 Stunden wöchentlich zu arbeiten. Das Unterschreiben dieser Erklärung sollte freiwillig erfolgen und kann jederzeit mit einer Frist von 6 Monaten widerrufen werden. Die Verweigerung der Unterschrift sollte theoretisch keine negativen Auswirkungen auf Ihre Einstellung oder Arbeit haben, in der Praxis ist Ihre Einwilligung aber oft eine Einstellungsvoraussetzung.



Wie gestaltet sich die Arbeitszeit in deutschen Kliniken?


In den verschiedenen Krankenhäusern gibt es verschiedene Arbeitszeitmodelle.


Dienstsystem

Das gängigste Arbeitszeitmodell in deutschen Kliniken ist das Arbeiten nach Diensten. Bei diesem Arbeitszeitmodell wird die Haupttätigkeit (Patientenaufnahme, Untersuchungen, planmäßige Operationen und sonstige Stationsarbeiten) tagsüber erledigt (der sog. Tagesdienst). Nachts werden vor allem Notfälle behandelt, so dass ein Arzt mehrere Stationen betreuen kann. Die Arbeit außerhalb der regulären Tagesarbeitszeit wird durch Dienste abgedeckt. Folgende Dienste sind zu unterscheiden:


  • Spätdienst - das ist eine Art verlängerter Tagesdienst der dazu dient die Kollegen vom Nachtdienst zu unterstützen und zu entlasten. Im Rahmen des Spätdienstes werden Aufgaben erledigt, die vom Tagesdienst übrig geblieben sind oder auch ambulante Fälle und Notfälle behandelt.

  • Nachtdienst: Mit Nachtdienst ist in Deutschland i.d.R. die Arbeitszeit zwischen 23 Uhr abends und 6 Uhr morgens gemeint.

  • Bereitschaftsdienst - Bereitschaftsdienste sind Dienste, bei denen sich der Arzt außerhalb der regulären Arbeitszeiten im Klinikum aufhält und für anfallende Aufgaben bereit steht. Der Bereitschaftsdienst kann bis max. 24 Stunden dauern. Dafür muss es aber eine Vereinbarung im Tarif- oder Arbeitsvertrag geben und die gesetzlichen Regelungen über die Ruhezeiten zwischen den Diensten eingehalten werden. Bereitschaftsdienste (auch 24-Stunden Dienste) können vom Arbeitgeber angeordnet werden, zählen zur Arbeitszeit und müssen als solche entsprechend vergütet werden.

  • Rufdienst (oder auch Rufbereitschaft): Auch hier muss sich der Arzt für den Bedarfsfall (i.d.R. für Notfälle und Notoperationen) bereithalten. Allerdings muss er sich in diesem Fall, im Gegensatz zu den Bereitschaftsdiensten, nicht im Krankenhaus aufhalten, sondern lediglich erreichbar sein und schnell zum Krankenhaus fahren können, falls er gebraucht wird. Anders als der Bereitschaftsdienst zählt die Rufbereitschaft nicht als reguläre Arbeitszeit. Als Arbeitszeit zählen nur die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden während der Rufbereitschaft. Für die Rufbereitschaft bekommt man i.d.R. eine Pauschalbezahlung. Wird man gerufen, bekommt man für die tatsächliche Arbeitszeit den im Arbeitsvertrag vereinbarten Stundenlohn zzgl. eventueller Zulagen (z.B. bei Nacht- und Wochenendarbeit).

  • Wochenend- und Feiertagsdienst: Wie der Name schon sagt, werden diese Dienste an Wochenenden und Feiertagen geleistet, an denen die Krankenhäuser meist schwach besetzt sind. Diese Dienste zählen ebenso zur Arbeitszeit und werden als solche vergütet. Zusätzlich bekommt man dafür auch eine Sondervergütung.


Wie viele Dienste muss man im Monat leisten?

In der Regel muss man 4-5 Nachtdienste, mindestens einen Wochenenddienst im Monat leisten und ein 24-Stunden-Bereitschaftsdienst in der Woche geleistet werden.

Oft sieht die Praxis aber anders aus. Wenn Kollegen z.B. krankheitsbedingt ausfallen, müssen sie oft ihre Vertretung übernehmen, es kann also vorkommen, dass Sie z.B. 3 Wochen lang ohne einen freien Tag arbeiten müssen. Es kommt auch nicht selten vor, dass Sie 5-7 24-Stunden-Bereitschaftsdienste im Monat leisten müssen.


Vor- und Nachteile des Dienstsystems

Die Vorteile dieses Arbeitszeitmodells sind, dass die regelmäßige Arbeitszeit tagsüber stattfindet und Sie nur ein paar Dienste im Monat übernehmen müssen. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist natürlich die zusätzliche Bezahlung, die man bekommt, wenn man zusätzliche Dienste übernimmt. Der Nachteil ist die fehlende Regelmäßigkeit. Ihr Vorgesetzter darf Dienste anordnen, wenn dies notwendig ist. Dadurch haben Sie keine regelmäßigen Arbeitszeiten.


Schichtsystem

Auf manchen Stationen ist die Arbeit in Schichten aufgeteilt (das sog. Schichtsystem). Das ist insbesondere der Fall auf Intensivstationen, wo die kontinuierliche Versorgung der Patienten gewährleistet werden muss. Deswegen arbeiten die Ärzte dort in 2 Schichten á 12 Stunden oder in 3 Schichten á 8 Stunden.


Vor- und Nachteile dieses Systems

Der Vorteil dieses Systems sind die “geregelten” Arbeitszeiten. Es werden keine spontanen Dienste vom Vorgesetzten angeordnet und Sie können Ihre Zeit besser planen. Außerdem gibt es bei diesem Modell keine 24-Stunden-Dienste, da die Arbeitszeit auf maximal 12 Stunden begrenzt ist. Die Nachteile sind, dass Sie nur selten ein klassisches Wochenende haben, da die Schichten so verteilt sind, dass Sie regelmäßig auch am Wochenende arbeiten müssen. Auch was das Gehalt angeht, ist dieses System eher von Nachteil, da Sie keine zusätzliche Vergütung für Dienste bekommen.


Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass man als Arzt, insbesondere in einer Universitäts- oder Akutklinik mit vielen Arbeitsstunden und schlaflosen Nächten rechnen sollte. Die guten Nachrichte sind, dass der Arbeitnehmer in Deutschland gesetzlich so gut geschützt ist, wie in kaum einem anderen Land. Die gesetzlichen Regelungen sorgen dafür, dass es Höchstarbeitsgrenzen gibt, die eingehalten werden müssen. Für die Einhaltung ist hauptsächlich der Arbeitgeber verantwortlich und er ist auch derjenige, der bei Verstößen haftet.


Unser Tipp: Informieren Sie sich schon im Vorstellungsgespräch darüber, welche Arbeitszeitregelungen in Ihrem Krankenhaus gelten, nach welchem Modell man arbeitet, wie viele Dienste man in der Regel leisten muss und wie diese vergütet werden.


Wir hoffen, dass Ihnen dieser Artikel gefallen hat und stehen Ihnen bei Fragen gerne zur Verfügung.


Autor: Elitsa Seidel (inmed personal)

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