• Nina Colette

Fragen im Anamnesegespräch



Der erste Teil der medizinischen Fachsprachprüfung ist das Anamnesegespräch. Dieses ist ein Interview zwischen Arzt und Patient. Der Arzt versucht währenddessen, mit Hilfe verschiedener Fragen, die Beschwerden des Patienten kennen zu lernen, sie zu analysieren und im besten Fall bereits eine Diagnose, zumindest auf Verdacht, zu stellen.

Das passiert natürlich mit Hilfe von Fragen. Strukturiert aufgebaut im Anamnesegespräch tastet sich der Arzt anhand verschiedener Fragen an aufschlussreiche Informationen des Patienten.


Das sind ganz unterschiedliche Fragen. Zuerst werden Fragen zur Person gestellt, dann zu den Beschwerden, über Vorerkrankungen, Medikation, allgemeine Befindlichkeiten des Patienten, Genussmittel, Familie und das Sozialleben des Patienten.


Was sind das aber für Fragen? Wie werden Fragen aufgebaut? Und was müssen wir beachtet werden, bei der Bildung einer Frage?


Zuerst einmal schauen wir uns den Typen einer Frage an. Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Fragen. Für die medizinische Fachsprachprüfung und das Anamnesegespräch sind vor allem zwei Typen von Fragen wichtig: die geschlossene und die offene Frage.

Der Unterschied der beiden Fragen liegt nicht nur in den Antwortmöglichkeiten, sondern auch im Aufbau der Fragen.


Geschlossene Fragen haben ihren Namen dadurch bekommen, dass es nur zwei Antwortmöglichkeiten auf diese Fragen gibt: ja und nein. Geschlossene Fragen werden demnach verwendet, wenn entweder eine Bestätigung oder eine Verneinung benötigt wird. Eine geschlossene Frage wäre zum Beispiel: “Haben Sie heute schon etwas gegessen?”

oder “Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?” - Auf solche Fragen kann der Gesprächspartner nur mit einem ja oder einem nein Antworten.


Geschlossene Fragen fangen immer mit einem Verb an. Die Struktur der geschlossenen Frage ist demnach folgende:


Verb + Subjekt + Objekt?

“Hatten Sie solche Schmerzen schon mal?”



Brauchen Sie genauere Informationen über Beschwerden oder Befindlichkeiten, Vorerkrankungen oder Medikamente, dann sollten Sie mit offenen Fragen arbeiten.


Offene Fragen erhalten offene Antworten. Das heißt, dass der Gesprächspartner hier viel genauer antworten kann und gar nicht erst mit ja oder nein. Eine offene Frage wäre zum Beispiel: “Seit wann haben Sie die Schmerzen?” Ihr Patient kann jetzt offen antworten und sagen: “Die Schmerzen haben gestern Abend angefangen und sind seit dem immer schlimmer geworden.” Ein solche Antwort wäre bei einer geschlossenen Frage nicht möglich gewesen.


Die Struktur einer offenen Frage ist ebenfalls anders als die einer geschlossenen Frage. Für offene Fragen werden die sogenannten W-Fragewörter verwendet: Wer? Wann? Wie? Warum? Wo? Woher? usw. Mit diesen W-Fragewörtern fangen die Fragen an.


Die Struktur einer solchen Frage ist demnach folgende:

W-Wort + Verb + Subjekt + Objekt?

“Wie würden Sie die Schmerzen beschreiben?”


Jetzt kann Ihr Patient alles erzählen was ihm dazu einfällt: “Die Schmerzen sind krampfartig und kommen auch nur gelegentlich, heißt sie gehen immer wieder weg und kommen dann wieder…”


Ein wichtiges Werkzeug


Die Art der Frage ist demnach ein wichtiges Werkzeug in der Gesprächsführung. Haben Sie bereits einen Verdacht und möchten diesen bestätigt haben, stellen Sie geschlossene Fragen. Brauchen Sie hingegen jedoch noch eine ausführliche Beschreibung über einen Zustand verwenden Sie offene Fragen. Mit diesem Werkzeug können Sie das Gespräch ausdehnen oder verkürzen, um es somit in die Richtung führen, die für Sie wichtig ist.

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